Die Regierung rührt aktuell die Werbetrommel für ihre Klima- und Energiestrategie "Mission 2030": Mit der angestrebten Novelle der Bauordnung sei diese aber von einer realistischen Umsetzung meilenweit entfernt, wie Elektrotechniker weiter warnen.

 

Die seit Monaten laufende Debatte um die OIB Richtlinie 6 hat an Schärfe nicht verloren. Jetzt haben Bundesinnung der Elektrotechnik, der Fachverband der Ingenieurbüros, das Kuratorium für Elektrotechnik und die e-Marke noch einmal öffentlichkeitswirksam ihre Kritik an der OIB-Richtlinie 6 zusammengefasst.


Stein des Anstoßes: Das ihrer Meinung nach bewusste schlecht rechnen des Faktor Strom. Damit würden sinnvolle Innovationen im Haus- und Wohnungsbau torpediert, mit dem Klima gespielt und den nächsten Generationen die Zukunft buchstäblich verbaut, wie Gottfried Rotter, Geschäftsführer der e-Marke, vor Journalisten einmal mehr bekräftigt hat.

 

OIB RL6-Kritikpunkte:
Der Entwurf ...

  • verhindert leistbares Wohnen,
  • arbeitet gegen die Mission 2030 der Regierung,
  • verkennt (ignoriert?) technische Fakten,
  • verhindert energieeffiziente Systeme,
  • erschwert effiziente und hygienische, dezentrale Warmwasserbereitung,
  • rechnet Strom als Primärenergiefaktor bewusst schlecht, und
  • ignoriert die bestehenden Konversionsfaktoren von der E-Control

Viele Kritikpunkte, langer Wunschzettel
Die Liste der Kritik am Entwurf, der die Erstellung des vorgeschriebenen Energieausweises maßgeblich verändern würde, ist lang – und damit auch die der Abänderungsforderungen. Strom müsse als Primärenergieträger anerkannt werden, gleichzeitig soll dieser eine eigene Energieaufwandzahl bekommen, so Rotter. Er spricht sich weiter auch dafür aus, Warmwasser technisch von der Heizung zu trennen. Was ihn noch stört? „In der gesamten OIB-Richtlinie aus dem Juni findet sich keine Berücksichtigung der nun schon ausgereiften und vielfach eingesetzten Stromspeichertechnologie.“ Ebenfalls als unumgänglich sieht die Runde der Elektrotechniker eine Änderung der Konversionsfaktoren. Das in Begutachtung stehende Papier in seiner derzeitigen Form, das im Frühjahr 2019 in Kraft treten soll, lässt den elektrischen Strom, der in Österreich en gros aus erneuerbaren Quellen stammt, in der CO2-Bilanz sogar knapp hinter den Energieträger Gas rutschen (248 g/kWh/CO2 für Strom, Gas mit 247 g). Für Rotter eine nicht hinnehmbare Vorgehensweise, gegen die er sich ganz entschieden wehrt.


Last but not least müsste seiner Meinung nach auch das Förderwesen kräftig überarbeitet und zumindest inhaltlich auf E-Mobilitätsniveau gehoben werden.

 

"Strom wird bewusst schlecht geredet und gerechnet"
Rotter vermutet eine gesteuerte Kampagne: "In diesem Entwurf sollen bewusst manche Technologien schön- und der Strom schlecht gerechnet werden. Lobbying-Einflüsse sind klar zu erkennen und müssen aufgezeigt werden. Ich glaube, dass es Zeit ist, auch einmal die Bevölkerung aufzuklären, welche negativen Auswirkungen auf unsere Zukunft und vor allem auf die Zukunft unserer Kinder im Entwurf der neuen Bauordnung versteckt sind."

 


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